Freitag, 11.11. 2011
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Auch zu dünne Kinder sind ein Problem!Stiftung Kindergesundheit informiert über Untergewicht und seine Folgen !
Dicke Kinder sind ein wichtiges Thema, keine Frage. Es gibt aber auch das andere Extrem, die Kinder, die viel zu mager sind. Der Volksmund in Süddeutschland nennt sie "Krischperl", die Kinder von zarter, schmächtiger Statur, die ihren Eltern meist große Sorgen machen. Nicht selten zu recht, betont die Stiftung Kindergesundheit: Hinter dem schwächlichen Habitus der Hänflinge kann sich nämlich nicht nur Mangel an Appetit, sondern auch eine ernst zu nehmende Gesundheitsstörung verbergen."Bei aller berechtigten Debatte über übergewichtige Kinder ist festzustellen, dass es auch bei uns in Deutschland Kinder gibt, die zu dünn und ‚spillerig’ sind. Diese Kinder gehören in die Hände eines erfahrenen Kinder- und Jugendarztes", sagt der Münchner Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit. Grund für die Sorge sind die möglichen Folgen der Gesundheitsstörung: "Die Auswirkungen einer Mangelernährung sind bei Kindern noch gravierender als bei Erwachsenen", betont der Ernährungsexperte der Universitätskinderklinik München. "Eine ernste Gedeihstörung mit Untergewicht vermindert die Entwicklungschancen und die Lebensqualität des Kindes. Bei chronisch kranken Kindern und Jugendlichen beeinträchtigt sie deutlich die künftige Entwicklung. Ein ausgeprägtes Untergewicht durch Fehlernährung wirkt sich nachteilig auf das Längenwachstum aus, kann die Pubertätsentwicklung und die mentale Reifung beeinträchtigen und auch das Immunsystem schwächen, mit der Folge von gehäuften Infektionen. Die langfristige Gesundheit und Leistungsfähigkeit werden nachhaltig beeinträchtigt". Bei Kindern in den Entwicklungsländern entsteht Untergewicht durch unzureichende Ernährung und schlechte Lebensbedingungen. Auch hierzulande können Unwissenheit, Vernachlässigung oder falsche Ernährung durch fehlgeleitete, oft ideologisch begründete Ernährungsformen Auslöser des Untergewichts sein. In der überwiegenden Zahl der Fälle hat jedoch Untergewicht bei Kindern in Deutschland nichts mit einem Mangel an Nahrung zu tun, sondern ist ein Begleitsymptom von länger dauernden oder chronischen Erkrankungen. Fast jedes vierte Kind, das ins Krankenhaus muss, zeigt Symptome einer Unterernährung, berichtet die Stiftung Kindergesundheit. Kinderkliniken forschen gemeinsam
Ein Netzwerk von 14 Kliniken in 12 europäischen Ländern hat sich nun zum Ziel gesetzt, die Risiken von Kindern zu erforschen, die mit einem Untergewicht in eine Kinderklinik aufgenommen werden müssen. In die Studie eingeschlossen werden über 2.000 Kinder. Die Studie wird von der europäische Fachgesellschaft ESPEN (www.espen.org) finanziert und vom Studienzentrum in München unter Leitung von Prof. Dr. Berthold Koletzko, Dr. Astrid Rauh-Pfeifer und Christina Hecht koordiniert. Mit den Ergebnissen ist im Laufe Jahres 2012 zu rechnen. Eine vorangehende Pilotstudie im Dr. von Haunerschen Kinderspital der LMU München erbrachte bereits wichtige Erkenntnisse:
- 19 Prozent der in die Münchner Klinik aufgenommenen Kinder hatten Untergewicht.
- Untergewichtige Kinder mussten länger in der Klinik bleiben, litten häufiger unter Fieber, Durchfall und Erbrechen und benötigten häufiger Antibiotika und eine Ernährungstherapie als Normalgewichtige.
Viel zu häufig übersehen!
- Krankheiten des Darms wie Zöliakie, Morbus Crohn oder Mukoviszidose stören die Verdauung, führen zu Durchfällen und Blutarmut.
- Bei einer Überfunktion der Schilddrüse verbraucht der Körper des Kindes zuviel Energie.
- Angeborene Herzfehler, Leber- oder Nierenkrankheiten beeinträchtigen das Wachstum und die Entwicklung.
- Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien lösen Durchfall und Bauchweh aus.
- Seelische Probleme wie Kummer, Stress oder Aufregung können auch Kindern den Appetit verderben, psychische Erkrankungen zur Abmagerung führen.
- Eine häusliche Normalkost geht vor Diät!
- Die Kost sollte dem Kind gut schmecken und attraktiv angerichtet sein. Keine unnötigen diätetischen Einschränkungen!
- Jede Form von Diät erhöht das Risiko für eine psychogene Essstörung.
- Die Mahlzeiten sollten gemeinsam im Kreis der Familie in positiv gestimmter Atmosphäre eingenommen werden. Eine Sonderbehandlung des appetitlosen Kindes gegenüber seinen Geschwistern ist ebenso kontraproduktiv wie ständige Ermahnungen zum Essen.
Quelle: Stiftung Kindergesundheit, Newsletter 10/11
www.kindergesundheit.de
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