Mittwoch, 20.05. 2020

Jetzt ist das Gemüse knackig

Nach der Einführung des DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung hat sich in der Bochumer Kita „Pusteblume“ einiges an den Mahlzeiten verändert. Kitaleiterin Kerstin Marx achtet darauf, Kinder und Eltern auf die pflanzenbasierten Speiseangebote gut vorzubereiten. Dafür hat sie den „Probierklecks“ und eine spezielle Sitzordnung mit ihrem Team eingeführt.

Kitaleiterin Kerstin Marx

Wie sind Sie bei der Einführung eines Speisekonzepts nach den DGE-Qualitätsstandards vorgegangen?

Wir haben uns gemeinsam in der Region auf die Suche gemacht nach einem Caterer, der die DGE-Qualitätsstandards für die Kita einhält. Es war uns wichtig, dass es ein ganzheitlich betrachtetes Thema ist und dass das Essen als Erlebnis für die Kinder dargestellt und dargereicht wird. Wichtig war uns auch, dass die Regionalität und die Saisonalität ins Thema einfließt.

Wie haben Sie die Kinder für die geänderten Speiseangebote gewonnen?

Die Kinder waren deutlich anderes Essen gewohnt. Wir haben mit viel Geduld die Begeisterung dafür langsam keimen lassen. Zeit war ein deutlicher Faktor. Dazu haben wir in der Kita eine familienähnliche Atmosphäre geschaffen. An jedem Tisch mit fünf bis sechs Kindern sitzt immer auch eine Kollegin, die begeistert mit ihnen isst, somit als Vorbild für die Kinder dient. Wir haben auch geschaut, dass Kinder, die ohnehin schon begeisterte Esser sind, mit den Kindern zusammensitzen, die Schwierigkeiten haben, um sich gegenseitig positiv zu beeinflussen.

Was haben Sie dazu in den Abläufen geändert?

Wir haben den Probierklecks eingeführt: Jedes Kind bekommt auf seinen Teller eine klitzekleine Portion von dem, was am Tag angeboten wird. Den Kindern steht es frei, es zu probieren. Sie können sich dann etwas nachnehmen und ihre eigenen Grenzen kennen lernen. So ist der Sellerie-Bratling mittlerweile zum Renner geworden oder auch Zucchini in Eihülle – Angebote, die wir früher gar nicht hatten. Die Kinder dachten zuerst, es sei Fisch oder Fleisch paniert und haben dann festgestellt: Oh, da ist ja Gemüse drin und es schmeckt auch lecker.

Was hat sich mit der Einführung des DGE-Qualitätsstandards weiterhin gezeigt?

Der Gemüseanteil ist gestiegen. Die Saucen haben sich verändert. Früher war es eine einheitliche Masse. Wenn die Kinder jetzt in den Topf schauen, sehen sie, welches Gemüse darin ist. Früher wurde das Essen lange Zeit warmgehalten. Jetzt erkennt man, dass Broccoli grün ist, nicht grau. Es ist knackig und schmeckt gut.
Die Gewürze haben sich verändert, sind kinderfreundlicher geworden. Die Kinder essen mehr, weil es nicht so überwürzt ist. Auch bei den Kollegen ist die Freude am Essen gestiegen. Das spüren die Kinder.


Der DGE-Qualitätsstandard empfiehlt nur zwei Mal pro Woche Fleisch. Wurde das angenommen?


Fleisch gibt es bei uns nur einmal die Woche. Ich habe beobachtet: Die Kinder vermissen es nicht. Es hat mich noch kein Kind gefragt, warum es nicht mehr so viel Fleisch gibt. Bei den Eltern war das ein Thema, sie fragten: Warum gibt es nicht häufiger Fleisch? Wir haben erklärt, dass das Fleisch im Gegenzug eine höhere Qualität hat, dadurch der Preis sehr steigen würde, wenn wir jeden Tag Fleisch essen würden, was wir ja grundsätzlich nicht wollen – der Umwelt und der Gesundheit zuliebe. Auch die Qualität der anderen Lebensmittel ist gestiegen. Das hat die Eltern dann überzeugt.

Wie unterstützt Sie der DGE-Qualitätsstandard für die Kitaverpflegung?

Der DGE-Qualitätsstandard unterstützt uns in dem Sinne, dass das Essen wieder eine sinnlichere Rolle eingenommen hat, dass es ein Erlebnis ist. Es ist ein Tagesordnungspunkt, der nicht nur abgehakt wird, sondern etwas, worauf sich Kinder und Erzieherinnen freuen und dem auch einen hohen Stellenwert einräumen. Das ist natürlich ein nachhaltiger Aspekt in der Entwicklung von Kindern.